„Das Kompendium“ – Kapitel 11

REISEN UND LEBEN DES LYSANDER FEDERKIEL

Unverschämtheit kommt in vielerlei Gewand, wie ich heute wieder feststellen durfte.
Asmodeths dunkle Stunde wurde keinesfalls vertagt – die Grünkappen und Arlekin hielten es nicht für notwendig, Augen und Ohren des versiertesten Chronisten Nostrias, ach was schreib ich – Aventuriens! – die Worte der Verräterin zu bezeugen und der Nachwelt festzuhalten.
Nein, stattdessen bin ich nun dazu genötigt, wiederzugeben, was ein lowangischer Schwarzmagier sich im Rausch der Folter und Pein zu merken imstande war. Sicherlich ist die Hälfte davon nicht wahr. Wie du, werter Leser weißt, liegt die Wahrheit mir mehr als alles andere am Herzen! Etwas in Lettern zu gießen, welches nicht die reinste Wahrheit ist, verkrampfet meine Eingeweide, dass es mir den Atem raubt. Nein. Ich weigere mich ganz einfach, Kunde aus zweiter Hand festzuhalten. Niemals.

Der Leser lasse dies Werk hier für eine dramatische Pause ruhen und esse etwa eine Hand voll Datteln. Dann erst fahre er mit der Lektüre fort.

Was ich indes selbst in einem ernsten Gespräch mit Asmodeth in Erfahrung bringen konnte, nachdem Arlekins fragwürdiger Bericht der geheimen Folterung in mir nichts als Zweifel zurückließ war dies: Ah, bevor ich es schildere, sei mir diese Anmerkung gestattet: Ich tat Asmodeth keinerlei Unbill. Ich lud sie zu einem Gespräche in meine Gemächer ein und überzeugte sie mit Worten, mir die Wahrheit zu sagen. War es mein Charme oder der private Anblick meiner bekannten Person, wer weiß – doch nun zu den Informationen, die ich der Verräterin entlockte:
Eine Verschwörung ist im Gange in Nostria, die bis zu einer Bombastenfehde zurück reicht. Viele Würdenträger sind darin verwickelt, Männer wie Frauen – und ein geheimnisvolles, sprechendes Krokodil, wobei ich sagen muss, dass Asmodeth im Moment, da sie dies sagte, einen kleinen Schwächeanfall erlitt und sich in diesem Punkt wirklich kompliziert ausdrückte. Ich kann nicht sicher sein, ob sie nicht vielleicht ein Konzil meinte. Wie auch immer. Mächtige Feinde stehen gegen uns. Ein großer Magier. Der Edelgraf Albio III. von Salza. Majordomus Toran vom Lichte – der mir die falsche Schlange Selma Notfink ins Bett legte, mich auszuspähen. Dies war übrigens die vielleicht wichtigste Information Asmodeths: Selbst in den höchsten Adelskreisen werden meine Werke geliebt und geachtet. Wenn es allerdings solche Züge annimmt, dass ein Majordomus mir eine Dirne ins Bette schickt, mich um die Pläne meiner zukünftigen Werke auszuhorchen, dann ist der Ehrerbietung meiner Vielligkeit zuviel getan.

Nun, dies sei mein Beitrag zu unserer Sache, die ganz ohne Folter oder fragwürdige Verhörmethoden von mir höchstselbst beschaffet wurden. Meine Freunde dankten es mir. Und die Grünkappen stehen nunmehr tief in meiner Schuld, da dem Altvater der Grünkappen Gefahr gewahr wurde, wie auch der, ihrer Verbündeten in anderen Städten. Bei Speis und Trank diskutierte die ganze Bande und selbst der menschliche Praetor durfte im großen Fechtsaal zugegen sein, obgleich ihm noch immer die heiligen Hallen verboten sind.
Der Fringlashof wird aufgegeben. Zu viele Augen richten sich nun auf die Machenschaften der Grünkappen. Feiglinge, allesamt! Vom Abkommen mit dem Altvater hatte ich mir starke Verbündete versprochen, doch wie so oft, ist auch dies eine Gruppe, die ihrem Ruf nicht gerecht zu werden versteht. Wahre Helden finde ich hier neben mir nur in Orasilas und PePe. Und natürlich reist der Adeptus weiterhin mit uns. Unser Ziel heißt Salzerhaven! Denn als der Altvater nach einem Freiwilligen rief, die Verbündeten in Salzerhaven vor dem langen Arm der Verschwörung zu warnen, meldete sich beherzt und unerwartet der Praetor Orasilas, oh ja! Mein Arm war indes schon früher in die Höhe geschossen und mein Mund rief „Ich werde es tun, oh Altvater!“, doch hielt ich gerade die Hammelkeule im Munde, weshalb ich nicht verständlich war und auch nurmehr mein Ellenbogen statt meines ganzen Armes in die Luft recken konnte. So sah man mich nicht, und Orasilas konnte, inspiriert durch meine Entschlossenheit, seinen eigenen Moment des Glanzes ernten. Es sei ihm gegönnt von ganzem Herzen! Ein wahrer Held!

Da der Altvater uns Männer zum Hafen Nostrias mitgeben will, von wir nach Salzerhaven aufbrechen, nahm ich mir Bolle und Torben nochmals zur Brust, sie auf Herz und Gewissen zu prüfen. Keine zweite Asmodeth will ich in unseren Reihen haben. Doch die beiden sind reinen Herzens, für Banditen jedenfalls. Meine Gabe, Wahrheit von Lüge zu unterscheiden, tat mir hier gute Dienste. Ich frage mich, ob noch mehr verborgene Talente in mir schlummern?

Noch eine Nacht werden wir auf Wunsch Arlekins unsere Kräfte sammeln. Mir scheint, der Herr Adeptus isst nicht ausreichend und ist in den letzten Tagen gar vom Minor zum Minimus geschrumpfet.

Aber morgen heißt es: Auf nach Salzerhaven!

von Lysander Federkiel alias Florian Hoffmann

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